Vergangene Woche debütierte der italienische Klempner mit der roten Mütze auf iOS und Android. Und dabei scheint Nintendos Aushängeschild wie eine Persiflage auf die aktuelle Politik. Unweigerlich geht es nach rechts. Das war zwar auch früher schon immer der Fall bei Super Mario – von rechts nach links zu spielen, das war immerhin eine der witzigeren, stacheligen Kommentare des letzten Jahrhunderts – doch die „Rechtsbewegung“ war in der Geschichte Marios noch nie so unaufhaltbar wie heute.

Doch Tatsache ist, wir wollten in Super Mario nie nach links laufen, höchstens um zu rebellieren. Aber das Ziel lag immer klar „vorwärts“, der Nase nach, der Prinzessin hinterher. Mit der Umsetzung für iOS und Android wird dem Spieler und der Spielerin lediglich eine Entscheidung abgenommen, die er/sie ohnehin nicht treffen können. Damit gestaltet sich das Spiel noch einfacher, uns bleibt es offen zu bestimmen, ob es nach oben oder unten geht. Da unten meist ein Abgrund wartet, bestimmen wir also am häufigsten, wann nun gesprungen wird. So stellt sich auch rasch das erste Feature von „Super Mario Run“ heraus – man kann es mit einer Hand spielen. Das haben auch die Entwickler nicht übersehen und es als hilfreichen Tipp in das fertige Spiel eingebaut.

Insgesamt tut diese Spielmechanik dem Gesamtpaket kaum etwas ab. Denn der Anreiz ist wie immer schon da: das zweidimensionale Level zu durchqueren, dabei fleissig Münzen sammeln, das Ziel erreichen. In 6 Welten zu je 4 Levels kommt man in der „World Tour“ also auf 24 unterschiedliche Kurse. Doch spätestens nach dem ersten Komplettieren wird der eigentliche Spielinhalt evident: auch Super Mario Run muss sich den Regeln eines Mobile-Games unterwerfen – die Münzen werden zur Währung, besondere Münzen zu sammeln verhilft zu „Toad Rally Tickets“, die uns den kompetitiven Modus eröffnen, in dem wir gegen Spieler aus aller Welt um die Bewohner unseres „Königreichs“ durch das Einsammeln von Münzen und performen von „Stylemoves“ wetteifern.

Dem ein oder anderen mag dabei schon die Problematik auffallen. Super Mario ist zurück, aber er ist nicht derselbe wie zuvor. In der heutigen Zeit verfügt wohl auch er über Whatsapp, Snapchat und womöglich sogar Tinder.

Und anfangs dachte ich noch: Super Mario Run, ich mag Dich! Du erinnerst mich an meine Kindheit. Doch dann, ein bis zwei Welten später – Frust. Sinnlosigkeit. Warum laufe ich nochmals durch diese Levels? Schon früh kristallisiert sich heraus, dass das „Single Player“ Erlebnis auf den vorhandenen „Multiplayer“, den Toad Rally Modus, hinausläuft. Einzelspielermodus als Zugabe für den Mehrspielermodus, ein Prinzip, dass nicht zuletzt bei der Battlefield Reihe zu Kritik geführt hat. Nun passiert dies also auch mit dem eingesessenen, rotmützigen Italiener.

Sobald man den „Story Modus“ erledigt hat, muss man sich zweifelsohne die Frage stellen: wohin geht der Weg nun? Die Antwort: gnadenlose Wiederholung der bereits bezwungenen Levels um „wertvolle“ Qualifikationsmarken für den Mehrspielermodus zu ergattern. Darauf folgt das Duell gegen andere Spieler, um Toads für das eigene Königreich zu sammeln. Warum? Um das Königreich aufzubauen natürlich! Die Ressourcen sind dabei Münzen aber besonders die Arbeiter selbst, die bekommen keinen Lohn, sondern treten scheinbar in die bedingungslose Knechtschaft des Siegers. Auf diesem Wege schafft man sich ein Reich, platziert Pilze, Häuschen, Blöcke. Nun möge man mich nicht falsch verstehen, denn es gibt zahlreiche Spieler und Spielerinnen, die daran viel gefallen finden. Doch handelt es sich um ein gnadenlos seichtes Spielerlebnis. Da hilft es auch nichts, den Auf- und Ausbau des Königreichs als „dritten Spielmodus“ zu bezeichnen. Geschickt werden wenige Spielelemente zu Großartigem aufgebauscht.

Sich mit der Reduktion von Komplexität und Tiefe eines Klassikers der Spielgeschichte zufrieden zu geben, bedeutet dem voranschreitenden Sinken der Qualität den Vortritt zu lassen. Uns sollte schließlich nicht weiter der Preis von 10€ irritieren, denn dieser ist in Angesicht der Plattform keineswegs unbegründet. Immerhin bekommt man dafür ein werbefreies Spielerlebnis. Schlussendlich ist es jedoch der Erfolg von Super Mario Run, der zu einem vermehrten Auftreten eines solchen, leider sichten Spielerlebnisses führen wird.

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