Zugegeben, ich bin in den letzten Jahren zu einem eher ungeduldigen Spieler geworden. Das mag daran liegen, dass die Zeit knapper und wertvoller, damit aber auch die Spielstunden geschätzter geworden sind. Dennoch bleibt das Geständnis, dass mir in der ein oder anderen Runde Overwatch die ALT+F4 Combo entfleucht ist. Frust, mal wegen Teammates, mal wegen eigener Unfähigkeit – viel eigener Unfähigkeit.

Und nun kommt Doomfist. Allein schon der Name hatte etwas prophetisches, einer Faust der Verdammnis für das Spielerlebnis. Die Frage war nur? Würde Doomfist mir gegenüber stehen und mir kalt ins Gesicht lachen, während mein Spielspaß dahinschmolz, oder würde ich selbst die Kontrolle über den durch die Gegend dashenden Cyborg übernehmen und in ein digitales Grab hüpfen?

Vorweg: Keines der beiden Szenarien führte zu einem Ragequit. Weder die Begegnungen mit Doomfist, noch die Erfahrungen als Doomfist führten zu übermäßigem Frust. Jedoch auch nicht zu Freudenschreien. Zumindest war das bis gestern der Fall. Denn dann kam plötzlich der Moment, als Doomfist richtig viel Laune machte. Alles, was ich tun musste, war Q zu drücken.

Die linke Faust des Teufels

Dazu kam es auf der Karte Volskaya Industries in einer Runde Mystery Heroes. Wir hatten die eindeutig bessere Position des verteidigenden Teams und brachten unsere Recken und Reckinnen in Position, um den kommenden Ansturm zu bewältigen. Dank einer glücklichen und ausgewogen Mystery Team Zusammensetzung gelang dies auch ohne große Schwierigkeiten – so ist nun mal das Los dieses Spielmodus. Dabei schwebte zu Beginn noch eine große Skepsis über meinem Kopf, denn ich hatte Doomfist erwischt. Es war keineswegs mein erster Einsatz mit der donnernden Faust, doch die bisherigen Erlebnisse ließen eher kühle Erwartungen aufkommen. Mit Zeit kommt aber oftmals Rat.

Hit and Run

Doomfist spielt sich freilich anders als eine Sombra oder ein Reinhardt. Letzterer ist wenig begabt im lautlosen Anschleichen, die flotte Hackerin hat dafür kaum Talent im Schaden absorbieren. Vom schnellen Spielstil ähnelt Doomfist dann tatsächlich eher Sombra. Wo liegt also das Talent des kybernetischen Söldners? Als Offensivkämpfer, ausgerüstet mit Winston-ähnlichen Sprungmanövern, erzielt Doomfist eine starke Wirkung als Hit-and-Run-Angreifer. Dabei sollte man keine Scheu haben, seinen Upper Cut und Seismischen Schlag in der Not defensiv zu nützen, vielleicht für einen schnellen Rückzug oder Ebenenwechsel. Daneben heißt es geduldig die Handkanone in Betrieb zu halten und idealerweise um Ecken laufende Kontrahenten mit den einzigartigen Dampfhammer eines auf die Rübe zu geben. Volles Pfund auf’s Maul eben. Spaß macht das allemal! Und ein schneller Spielspaß ist dabei garantiert.

Und dann kam der Donner, in Form eines einschlagenden Meteors. Überraschend, zugegebenermaßen mangelnder Aufmerksamkeit geschuldet, war schließlich Doomfists Ultimate bereit. Im Vergleich zu anderen Spielmodi erscheint das im Format Mystery Heroes immer noch als etwas besonderes, signalisiert es ja doch, dass man lange genug einen Helden vor dem Screentod bewahrt hat. Das vollständig geladene Ultimate kam überraschend, aber zum absolut richtigen Zeitpunkt, was sogar zum Play of the Game führen sollte. Doomfists Meteorschlag ist ein fataler Angriff, der gut platziert enormen Schaden anrichten kann. Der krachende Einschlag, hoffentlich gefolgt von Sounds of Elimination, macht einfach Laune. Außerdem erinnert es, warum Overwatch so verdammt viel Spaß machen kann: Nicht die Skins und anderen Collectibles sind es, sondern die Momente, die man in den Runden erzeugt.

Kein Doomfist für jedermann

Overwatchs Neuzugang ist sicherlich nicht für jeden der richtige Charakter und sollte keinesfalls die erste Wahl für Einsteiger sein. Jenseits von Mystery Heroes wird sich auch meine Spielzeit mit Mr. Dampfhammer in Grenzen halten. Dennoch ist Blizzard mit Doomfist eine gute Ergänzung des Melee Camps gelungen, was zu einer vermehrten Dynamik in den Runden führt. Ein Aufeinandertreffen mit einem unaufhaltbaren Doomfist lässt bei mir derzeit noch auf sich warten, es wäre aber überraschend, wenn er aus der Gruppe der Offensiven der einzige Charakter wäre, der selbst richtig eingesetzt nicht zu einer One-Man-Apocalypse werden könnte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s