„Emotionales Trauma“ ist wohl die treffendste Bezeichnung für die aktuelle Folge von Game of Thrones: Beyond the Wall. Auf und ab mit den Gefühlen, Angst, es könnte der Lieblingscharakter sterben, Freude, dass die Rettung naht, Schrecken, dass ein edles Tier vom Himmel gefegt wird.
Mit „Beyond the Wall“ intensiviert sich das Geschehen rund um die Invasion der Toten aus dem Norden und wir verbleiben mit offenen Mündern vor der letzten Folge der 7. Staffel.

Spoiler Alarm!


Tyrion und Daenerys: Quo Vadis?

Die Spannung zwischen Tyrion und Daenerys nehmen zusehends zu. Trotz der Beratung und zahlreicher Vermittlungsversuche bleiben die erhofften Erfolge aus, weshalb sich Daenerys eine wichtige Frage stellt: Wie loyal ist Tyrion? Besser gesagt: wo ist seine Loyalitätsgrenze? Tyrion scheint sich zusammen mit Varys mehr und mehr dem Zweck verschrieben zu haben, für das Wohlergehen von ganz Westeros zu arbeiten. Dass bedeutet natürlich, dass Westeros vor Daenerys kommt, was die Königin keineswegs gerne hört. Es bleibt abzuwarten, wie das Verhältnis der beiden zueinander ist, nach den Ereignissen in der Eiswüste im Norden. Immerhin war Tyrions Vorschlag, einfach nichts zu tun, nicht gänzlich schlecht, denn so wäre die eigene Arme nicht um einen Drachen ärmer, und die des untoten Feindes nicht um einen Drachen reicher.

What happens beyond the wall, stays beyond the wall

Obwohl in dieser Folge einige Handlungen diesseits des Walls weitergesponnen wurden, waren es die Ereignisse im höchsten Norden, die uns im Bann hielten (nach wie vor eine der besten Folgen ist meiner Meinung nach „Die Wächter auf der Mauer“). Dank der Überlänge der Folge durfte der bessere „Suicide Squad“ den Zuschauern zahlreiche erinnerungswürdige Momente liefern.

Gendrys „Eisprobe“

Feuerprobe lässt sich hier schwer anwenden, doch für Gendry war der hohe Norden eine eisige Prüfung. Zum ersten Mal im Schnee und dann gleich jenseits des Walls, dann auch noch ausgerechnet zusammen mit Beric und Thoros, die ihn ein paar Staffeln zuvor noch wie Vieh verkauft hatten. Schlussendlich ist es auch noch Clegane, der ihn auffordert, das Jammern sein zu lassen. Der Ratschlag war Gold wert, denn bald sollte Gendry seinen Atem brauchen, um eiligst zurück nach Eastwatch zu laufen. Roberts einzig verbleibender Abkömmling, somit der letzte Baratheon, bleibt uns damit erhalten und am Leben.

Jon und Jorah

Ein ikonische Aufeinandertreffen. Jon, der so prägend unter Jorhas Vater gedient hatte, zollte dem nach Westeros heimgekehrten Sohn seinen Respekt, indem er ihm Longclaw überreichte. Die Geste Jons sowie die Reaktion Jorahs führten dazu, dass beide nur noch mehr in der Gunst der Zuseher stiegen. Es war ein geradezu intimer Moment, wie zwischen zwei Brüdern, geprägt von vollstem Verständnis. Dennoch war wohl jeder froh, dass Jon Longclaw schlussendlich behalten durfte, es ist immerhin ein recht nützliches Accessoire.

Tormund und Clegane

Die zweifelsfrei lustigste Unterredung führten Tormund und Clegane miteinander. Der Dialog entpuppte sich als köstliches Feuerwerk an Beleidigungen (seitens Cleganes) und romantischer Schwärmerei (seitens Tormunds). Dass beide mit Brienne gänzlich unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, verleiht der Szene eine unglaubliche Situationskomik. Wenn dies die Folge der persönlichen Bindungen war, dann hat das zwischen diesen beiden ganzen besonders funktioniert. Das wird recht deutlich, aus dem nächsten Moment:

Das Ende von Tormund, aber…

Ich versuche stets, spoilerfrei von Folge zu Folge zu gehen. Leider hält sich im Hause Krisengentleman nicht jeder daran und so mancher liest gerne schonmal ein paar Folgen voraus, selbst wenn es unzuverlässige Spoiler laut irgendwelchen geleakten Scripts sind. Und so kann es passieren, dass man die gesamte Folge in purer Angst um unseren liebsten Wildling verbringt, denn gerade dieser sollte laut meiner Liebsten in dieser Folge das Zeitliche segnen. Somit verbrachte ich jeden Gefahrenmoment, dem Tormund ausgesetzt war, mit entsetzen Rufen „Nein! Nein! Nein!“ Und tatsächlich, es dürfte gewirkt haben, denn in der fatalen Szene, schon gegen Ende der Folge, als die Hoffnung rapide dahinschmolz, ganz im Gegensatz zur schier endlosen Arme des Nightking, gerade als Tormund von einigen Untoten/Wights erwischt wird und Richtung Wasser gezogen wird, da schien es um ihn geschehen. Wie ein Film liefen Tormunds beste Szene vor dem inneren Auge ab. Was würde Brienne sagen? Doch dann zeigte sich: es zahlt sich aus, mit dem Gefährten „anzubandeln“. Denn es war ausgerechnet Clegane, der Tormund retten sollte. Danke, Clegane! Tormund ist uns bis auf’s Weitere bewahrt. Der Tormund-Brienne Traum ist am Leben!

Thoros und der Bär

Beric, dein Priester ist weg. Wer hätte sich das gedacht, und dann geht der berüchtigte Thoros auch noch auf eine unvermutete Weise. Zugegeben: Er wurde im Kampf mit einem riesigen untoten Bären verletzt, das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Ultimativ ist es aber die Kälte, die just den Mann mit dem brennenden Schwert holt. Nicht gänzlich klar bleibt: Wurde Thoros‘ Leichnam ebenso evakuiert oder werden wir ihm wieder begegnen? Um der Handlung Willen würde ich sogar für letztere Option plädieren.

Kanonenfutter Willy

Bevor es um Thoros geschehen war, bestand durchwegs die Möglichkeit, ihn vorzeitig sterben zu sehen. Denn entgegen der Annahme, dass sich der „Suicide Squad“ alleinig auf den Weg in den Norden jenseits des Walls aufmachte, wurden die Recken von einer Handvoll Kanonenfutter begleitet. Diese fielen rasch dem Bären zum Opfer, schienen danach auch „getilgt“. Doch nachdem die heitere Bande nach gelungenem „Fang“ (einer blieb „intakt“, how convenient?) in der Mitte eines zugefrorenen Sees Zuflucht sucht, die Nacht dort verbringt und Thoros sichtbar das Zeitliche segnet, scheint sich das Kanonenfutter auf magische Weise regeneriert zu haben. Denn in der finalen Auseinandersetzung mit den Untoten bleiben Jon, Jorah, Beric, Tormund und Clegane zwar standhaft, aber jedweder Namenlose fällt den Untoten/Wights zum Opfer. Wo kamen die bloss her?

Die Rettung, der Schock und Auf Wiedersehen, Vyserion.

Wer liebt sie nicht, die fulminant epische Rettungsszene. Man denke an die Rohirrim und die Armee der Toten in „Der Herr der Ringe“. Solche Szene sind einfach toll. Und so war es auch in „Beyond the Wall“, als Daenerys mit ihren 3 Drachen der Arme des Nightking so richtig einheizte (no pun intended). Es war eine richtig spektakuläre Szene. Doch dann, der Schock: Der Nightking greift zu einem Eisspeer und pflückt Vyserion vom Himmel, der in einer Blutfontäne auf den gefrorenen See kracht und seinen vorerst nasses, kaltes Grab dort findet. Die Stille, die in diesen Sekunde der Szene herrschte, verdeutlichte den Schockzustand, dem auch wir Zuseher ausgesetzt waren. Glücklicherweise konnte verhindert werden, dass Drogon dasselbe Schicksal ereilte. Jon musste dafür jedoch zurückgelassen werden, doch seit er King in the North von den Toten zurück gekommen ist, scheint die Sorge um sein Wohlsein eher nebensächlich. Es würde wohl doch niemand wagen, den Serienliebling gleich zweimal zu töten! Oder?…
Jedenfalls war der Tod des prächtigen Drachen Vyserion nicht gleich das Ende der feuerspuckenden Kreatur. Der Nightking ließ ihn nämlich nicht am Grund des Sees im kalten Grab zurück, sondern ließ ihn bergen. Nur um ihn anschließend erneut zu wecken. (Übrigens: Wer bei König einer untoten Arme im frostigen Norden mit Eisdrache auch an den Lichking aus Warcraft denkt, ist nicht alleine.) Wie passend, dass der Drache mit dem namen von Daenerys fragwürigem Bruder nun den Zwecken des Feindes dienen soll. Offen bleibt, ob er Feuer oder Eis speien wird…

Honorable Mention: Arya wird zunehmender furchteinflössender, das Spiel mit Sansa wendet sich in eine gefährliche Richtung.

Nachtrag (25.08.): Benjens Rückkehr

In der Aufregung ist ein OMG Moment klar zu kurz gekommen: Der kurze aber essentielle Auftritt, die Rückkehr des Benjen Stark. Wie bittersüß war diese Szene. Besinnt man sich zurück auf die kurzen Momente, die Benjen und Jon miteinander teilten, so erinnert man sich gut an die starke Bindung zwischen diesen beiden. Eine lange Wiedervereinigung war ihnen nicht gegönnt, heldenhaft bleibt Benjen in unseren Erinnerungen zurück. Trotzdem ist es traurig, dass dies nun vermutlich der endgültige Abschied vom ehemaligen First Ranger sein soll. Aber was ist schon endgültig in der Welt von Eis und Feuer.

 

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