Vorbei ist sie, die 7. Staffel. Das große Finale ist gekommen und gegangen, abermals finden wir Zuschauer uns zwischen den Welten: Begeisterung, dass einige wenige Geheimnisse gelüftet worden sind. Begeisterung und zugleich Schock über alles verändernde Geschehnisse. Wehmut, dass die grausame Wartezeit, sozusagen der lange Winter für uns Zuseher, gekommen ist. Wie keine Episode zuvor brachte „The Dragon and the Wolf“ unzählige Handlungsfäden und Charaktere zusammen. Also reden wir noch einmal über die Ups and Down, die Höhen und Tiefen der finalen Game of Thrones Folge 2017. Shall we begin?

Spoiler Alarm!

Parlais im Dragon Pit

Nach 7 Staffeln mit den altbekannten, noch überlebenden Charakteren vergisst man leicht, dass sich einige der Hauptfiguren bisher noch nie begegnet sind. Cersei und Daenerys zum Beispiel: Furchtbare Feinde, sehnen den tödlichen Abgang der Anderen herbei, kennen sich aber eigentlich gar nicht. Somit war das arrangierte Treffen außerhalb von King’s Landing ein Moment der Begegnungen: für neue und alte.

Bewegt hat uns vor allem das Wiedersehen zwischen den alten Bekannten: Tyrion und Podrick, Brienne und Clegane, Brienne und Jaime. Aber auch Begegnungen der gewittrigen Art: Euron und Theon oder die Gebrüder Clegane, Hound versus Mountain. All jene Szenen enthielten so viel Explosives, es erscheint immer noch überraschend, dass uns ein kampfloses Resultat gegönnt wurde. Und all das, obwohl die Bühne für dieses hochkarätige Treffen dreier Royals keine geringere war, als die ehemalige Drachenarena, the Dragon Pit. Eine mächtige, vielschichtige Symbolik steckt dahinter: Es ist der Ort, an dem die Drachen der Targaryens sukzessive versklavt wurden, bis sie schließlich zu kleinen Drachen, nicht größer als ein Hund, verkümmert waren. Dieser Ort ist Erinnerung und Warnung zugleich, besonders für Daenerys und ihre zwei verbleibenden Drachen. Dass Drachen aber keine Sklaven sind, wie sie in einer Szene anmerkt, lässt uns nicht in die Vergangenheit blicken, sondern in die Gegenwart und Zukunft. Denn einer ihrer Drachen ist derzeit so etwas wie ein Sklave, nämlich ein Sklave des Nightking.

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Zurück zum diplomatischen Treffen: Dieses lief frei von Überraschungen: Das kleine Präsent, der mitgebrachte Untote, entfaltete seine Wirkung. Doch Cersei spielt weiterhin das Game of Thrones, keine Frage. Dass sie sich auf keinen Deal einlassen würde, war abschätzbar. Wenig Hoffnung blieb danach an Jaime und besonders Tyrion hängen: Wie sollte gerade ihr abtrünniger Bruder sie von der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit überzeugen? Es schien gänzlich unmöglich.

Umso schockierender und überraschender dann der Moment, als Cersei an den „runden Tisch“ zurückkehrte. Irgendwo ganz tief im Herzen hat man sich genau diese Worte gewünscht, die schließlich gesprochen wurden. Cersei wird ihre gesamte Armee nicht zurückziehen, sie wird sie in den Norden marschieren lassen, um Seite an Seite gegen die Dunkelheit zu kämpfen. Oh was für ein „Feel-Good-Moment“. Klassische High Fantasy eigentlich, die unwahrscheinliche Allianz, die sich gegen das große Böse verbündet. Und man kauft es Cersei in diesem Moment ab. Man glaubt ihr. Man vertraut auch Tyrion, dass er irgendein Ding gedreht hat, die richtigen Worte gefunden hat, um seine Schwester zu überzeugen. Aber es ist immerhin Game of Thrones, worüber wir hier sprechen…

Cerseis falsches Spiel und das weiße King’s Landing

Ein paar gute Szene später bereitet Jaime die Truppen für den Marsch in den Norden vor. Man merkt seinen Enthusiasmus, seine Hingabe, seinen Willen, das gegebene Versprechen einzuhalten. Und dann kam, was unweigerlich kommen musste, wir sollten es nach 7 Staffeln einfach schon besser wissen: Cersei offenbart ihren grausamen Plan, ihren teuflischen Verrat. Die Zusage zur Allianz gegen die Armee der Toten war ein Trick, eine Lüge, um ihre Gegner auszuschalten. In diesem Moment bricht einem einfach das Herz. Willkommen zurück in der harten „Fiktionsrealität“ von Game of Thrones.

Aber ein Gutes hat das Ganze. Jaime hat nun endlich die Nase voll von seiner machtgierigen Schwester. Schluss, ein für allemal, so einen Verrat an den Bündnispartnern, ja an allen Bewohnern Westeros und nicht zu letzt an seinem ungeborenen Kind (Schwester hin oder her). Es kommt zum Showdown zwischen Cersei und Jaime. Die Interessen trennen sich hier einfach. Nur will Cersei das nicht zulassen, denn niemand wendet sich so einfach von ihr ab – dafür soll zumindest Clegane der Ältere sorgen, sobald der Befehl der Königin erfolgt. Und das tut er tatsächlich, ein kurzes Kopfnicken und der Berg von Mensch zieht sein Schwert, Jaimes Augen sind voller Schmerz und Unglauben. Sollte das das Ende von Jaime sein? Für ein paar Sekunden sah es tatsächlich so aus. Doch es war ein Bluff. Ob sich Jaime dessen auch so sicher war, scheint zweifelhaft, er ergriff einfach seine Chance und verließ King’s Landing. Und zwar im Schnee.

Das Ende von Cersei und Jaime wurde begleitet von der Ankunft des Winters im Süden. Diese stimmige und unfassbar atmosphärische Szene war wunderschön und angsteinflössend zugleich. Winter has come, so ist es zweifelsfrei. Sogar das südlich gelegene King’s Landing ist im Begriff, von einer Schneedecke eingeschlossen zu werden. Die Sommertage sind eindeutig vorbei.

Das Ende von Littlefinger

Zu Beginn der 7. Staffel stand wieder einmal fest: Baelish muss weg. Der schleimige Intrigant hatte es in den vergangenen Folgen auf die Spitze getrieben und wir Zuseher befürchteten eine schreckliche, vielleicht gar tödliche Konfrontation zwischen Arya und Sansa. Doch die beiden Stark Schwestern ließen sich nicht in die Irre führen und drehten den Spieß um. Die Inszenierung der Anklage war perfekt: Arya wurde vorgeführt, sie ist jedoch selbst nicht die Angeklagte. Baelish sah ihn nie kommen, nämlich Sansas stärksten Moment, vielleicht in der gesamten Serie. Etliche Lektionen hatte sie gelernt und oftmals wider ihres Willens erteilt bekommen. Mord und Hochverrat, lautete die Anklage, und zwar nicht gegen Arya, sondern gegen Lord Baelish, der kichernd in der Ecke stand, bis zu dem Moment, als Sansa die Anklage eiskalt gegen ihn richtete. Nun kam auch jede Intrige und Erklärung zu spät, das Ende von Lord Baelish war gekommen. Man darf jedoch auch auf 7 Staffeln erstklassiger Schauspielleistung von Aidan Gillen zurückblicken. Seine Verkörperung des Littlefinger brachte diesen unglaublich raffinierten Charakter hervor, der uns eigentlich bis zum Schluss im Dunkeln ließ, was genau seine Agenda war.

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Die ganze Wahrheit: Aegon Targaryen

Endlich war es soweit. Die ganze Wahrheit über Jon Snow, woher er kam, warum er ein Snow war und so weiter. Aufklärung! Das Licht am Ende des Tunnels. Es war das Treffen zwischen Sam und Bran aka Monsieur Three Eyed Raven. Und stellt sich heraus, Bran ist keineswegs allwissend. Er hat zwar Zugriff auf alles, überall und immer, doch muss er anscheinend wissen, wonach er sucht, und wann er nachsehen muss. Scheinbar gibt es keine praktische Suchmaske mit Beschlagwortung und Suchoption „Jon Snow Herkunft“. So ist es Sam, der ihm den entscheidenden Hinweis gibt, über die geheime Zeremonie zwischen Lyanna Stark und Rhaegar Targaryen. Er ist kein Bastard, er hatte sogar einen Namen bekommen: Aegon Targaryen. Damit haben wir den Oh My God Moment der Staffel. Jon ist nicht nur der Sohn von Rhaegar und Lyanna, sondern er ist der rechtmäßige Erbe auf den Eisernen Thron. Wie lange haben wir auf diese Aufklärung gewartet, wie eine Bombe schlug sie schließlich ein – Unglaublich.

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Richtig, unglaublich. Und schrecklich, denn die Wahrheit über Jon bringt mehr Probleme. Angefangen, dass kurz nach der Enthüllung endlich die lang ersehnte, mit gemischten Gefühlen erwartete Sex-Szene zwischen Jon und Daenerys stattfand. Die Liebesszene zwischen diesen beiden Charakteren, die man so gerne zusammen sehen möchte, wäre da nicht die ganze Wahrheit: Sie ist seine Tante.
Eine ganze Serie lang wird man mit dem Inzest-Tabu konfrontiert und verschreibt sich diesem Dank Cersei und Jaime. Ambivalenzen hier, Ambivalenzen da, aber immerhin: Inzest ist nicht gut, so viel war bisher ganz klar in schwarz und weiß unterteilt. Doch nein! Es ist immerhin Game of Thrones, also werden wir nun auch mit einer Ambivalenz hinsichtlich Inzest konfrontiert. Abgesehen von den unterschiedlichen Verwandtschaftsgrad – warum heißen wir die Beziehung zwischen Jon und Daenerys gut, warum verurteilen wir die von Jaime und Cersei? Die ganze Angelegenheit wurde soeben noch komplizierter … Wahrheit eben.

Die Mauer muss weg

Falls sich irgendwer jemals gefragt hat, wie ein Kampf The Wall vs Godzilla aussehen würde, dann ist dies nun beantwortet. Eastwatch, wo sich Berric und Tormund befanden, wurde am Ende der Staffel, in der finalen Szene, vom Nightking und seiner Armee angegriffen. Und das mit Erfolg, dank eines gewissen untoten Drachen namens Sindra … Viserion. Und die Antwort auf die wichtigste aller Fragen: ja, er spuckt blaues Feuer, recht Godzilla-artig eben. Wie das heiße Messer durch die Butter arbeite sich der feurige (eisige? feurig-eisige?) Atem des Drachen durch den Wall und in Rekordzeit brach dieser zusammen. Für Berric und Tormund sieht es nicht gut aus, müssen wir diese beiden damit endgültig abschreiben oder gibt es noch ein Wiedersehen in Staffel 8?  Die hunderttausend Untoten, die schließlich auch noch über das kalte Schneegrab der beiden schlurften, lassen wenig Hoffnung zu. Die Armee der Toten (Sind es jetzt Tote oder Untote?) hat die Mauer passiert und marschiert südwärts.

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Honorable Mention: Theon hat es endlich geschafft, seine Schwäche in seine Stärke umzuwandeln. Der gutbewährte Tritt zwischen die Beine währt bei ihm nicht so gut, damit hat er einen Vorteil im Kampf Mann gegen Mann/Frau/Untoter/Untote/und was es sonst noch geben wird! Sehen wir die Emanzipation des Theon Greyjoy? Wenn ja, dann auf zur Rettung Yaras!

Es war bereits eine bittersüße Reise, diese Staffel 7. Nun beginnt der lange Winter für die Zuseher, denn Staffel 8 erwartet uns wohl erst Anfang 2019 und wird wohl nur eines: noch eine schlimmere Achterbahnfahrt der Emotionen, diesmal mit dem zuckersüßen Versprechen auf Abschluss. Dahinter muss man aber ein großes „?“ setzen. Nachdem das große Geheimnis um Jon Snow/Aegon Targaryen nun gelüftet ist, muss sich die Fangemeinde bis zur Fortsetzung anderen Geheimnissen und Theorien widmen. Davon gibt es ja zum Glück reichlich!

(GIFs via Giphy)

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