Eigentlich kommt Lakeview Cabin recht harmlos auf einen zu: Pixelige 2D Grafik, herzige Figuren – und dann beginnt der Horror! Es ist freilich ein Klischee: ein Grüppchen junger Leute fährt in die Ferien an den See, in die Berge, irgendwo hin. Hauptsache, keine anderen Leute dort. Abgeschiedenheit, Ruhe, Entspannung. Man könnte glauben, die Urlaubenden suchen Erholung von alltäglichen Stress und der immerwährenden Erreichbarkeit durch Smartphones. Aber nein, sie wollen nur dem Ruf der Hormone folgen und möglichst störungsfrei miteinander rummachen. Wie das nun mal so ist, in diesen Szenarien.

Die Lakeview Cabin Collection ist genau dies und doch ein bisschen mehr, denn man darf selbst die Kontrolle über eine der vier höchstgradig vernünftigen jungen Leute übernehmen. Das geplante Vergnügen endet aber spätestens beim Ausziehen (was durchaus noch möglich ist und pixelige Intimbereiche zeigt). Denn wie auch in den filmischen Vorlagen treibt ein Wahnsinniger sein Unwesen im ausgewählten Urlaubsparadies. Glücklichweise stehen reichlich nützliche Utensilien zur Mörderabwehr zur Verfügung. Dass diese aus Versehen (oder auch nicht) schonmal für die eigene Spielfiguren das Leben kosten können, verleiht Lakeview Cabin eine düstere Situationskomik a la „Tucker & Dale vs Evil“.

Gänsehaut

Trotz des bunten und mitunter witzigen Setups überrascht die doch schaurige und erschreckende Stimmung. Auf sehr einfach Weise entsteht eine authentische Stimmung über immersive Elemente– etwa durch die Möglichkeit, sich in die Küche zu stellen und Kaffee zu schlürfen. Fühlt sich wirklich wie Urlaub an. Bis plötzlich der wahnsinnige Killer hereinstürmt. Früher oder später taucht dieser dann nämlich auf, hinterlässt manchmal auch gerne bedrohliche Botschaften und Hinweise, dass wir nicht alleine sind. Das Gros der Stimmung rührt schließlich von der ausgeklügelten akustischen Untermalung. Nicht nur das einsame Erklingen eines Pianos in einer Schrecksekunde, sondern allgemein das Ausbleiben von Geräuschen. Bedrückende Stille erzeugt in Lakeview Cabin oftmals die höchste Spannung. Denn just dann rechnet man mit dem schreckhaften Auftauchen des Killers. Und wenn es dann wirklich soweit, war man dennoch nicht gut genug vorbereitet. Jump Scare.

Zum Totlachen

Eigentliches Spielziel sollt es sein, anhand der zur Verfügung stehenden Gegenstände den Killer aus dem Verkehr zu ziehen. Die ersten Minuten des Spiels, so gänzlich ohne Tutorial oder auch Tastenerklärung, verbringt man dann klassisch explorativ. Dies ausprobieren, das anfassen, hier mal hineinschauen. Dass sich Neugier in diesem Genre selten auszahlt, haben wir uns aus den zahlreichen Horrorfilmen gemerkt. Was folgt, ist eigentlich ein Skandal: Wir machen den Killer arbeitslos und erledigen unseren Trupp ganz eigenhändig durch unsere ungeschickte Art, indem wir uns auf die verschiedensten Weisen ins Jenseits schicken. War das Spielziel dann nicht doch: 1000 Wege zu sterben? Frei nach dem Game of Thrones Motto: Valar Morghulis – All Men Must Die.

Am Ende will man es dann doch wissen und stellt sich der Herausforderung und seinem Gegner. Dem Killer wird eine Falle gestellt: Feuer! Natürlich, ‚kill it with fire‘ sagt schon eine höchste alte Weisheit. Eine ausgeklügelte Taktik (Leuchtpistole ins Gesicht) besiegelt letztlich das Untreiben des wahnsinnigen Unholdes. Doch ganz so einfach gibt dieser dann doch nicht auf. Er kehrt aus dem Jenseits zurück, um bitterböse Rache zu nehmen. Zum Glück ist da ja noch Chuck Norris, der im richtigen Moment rettend interveniert. Zumindest möchte man das meinen. Doch nicht genug Horrorfilme zur Vorbereitung gesehen…

Cabinlake View ist ein witziges und kurzweiliges Puzzleabenteuer mit einer guten Prise Humor. Wer auf Horrorfilme steht, wird die Referenzen zu schätzen wissen und an dem liebevoll gemachten Titel einigen Spaß finden! Die unterschiedlichen Episoden bieten Abwechslung, Herzstück bleibt aber das (nicht immer geschickte, dafür witzige) ausprobieren, was man denn nicht so alles anstellen kann.

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